Mai
07


Hamburg (ots) – Mehrere Supermarktketten sind wegen ihres Umgangs mit Kundendaten in die Kritik geraten. Nach Informationen von NDR Info hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen die Handelskette famila inzwischen Klage beim Landgericht in Kiel eingereicht.

Die Verbraucherschützer werfen famila vor, von den Kunden an der Kasse zweifelhafte Einwilligungen zur Weitergabe von Kontodaten einzufordern. Betroffen seien diejenigen Verbraucher, die mit ihrer EC-Karte bezahlen wollen. Neben famila verlangen weitere Handelsfirmen wie zum Beispiel Rewe oder Penny auf ihren Kassenzetteln ähnliche Einwilligungen. Das Verfahren in Kiel dürfte deshalb eine Signalwirkung haben.

Die Verbraucher hätten in den meisten Fällen gar keine Chance, sich den langen, komplizierten Text auf dem Kassenzettel in Ruhe durchzulesen, kritisieren auch Datenschützer. Weil sie mit ihrer Unterschrift bezahlen, würden die Verbraucher der Datenweitergabe in der Regel zustimmen, ohne es zu wissen, so der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert.

“Es ist in dem Text auf dem Kassenzettel nicht einmal ersichtlich, wer alles Zugriff auf diese Daten hat”, sagt auch Jana Brockfeld, die zuständige Juristin vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Wörtlich heißt es auf dem Kassenzettel von famila, die Kontodaten würden “den angeschlossenen Vertragspartnern” übermittelt. Eine famila-Sprecherin erklärte, die Informationen landeten beim Zahlungsdienstleister Telecash. Telecash baue unter anderem eine Sperrliste auf. Sollte ein Konto nicht gedeckt sein oder ein Kunde die Zahlung von sich aus rückabwickeln, würden seine Daten auf dieser Liste erfasst. Rechtlich sehe famila darin kein Problem, so die Unternehmenssprecherin weiter. Zudem würden die Namen der Verbraucher nicht erfasst. Ähnlich argumentieren auch Rewe und Penny, die Kundendaten an den Dienstleister easycash weiterleiten.

Mehrere Experten bezeichnen das Bezahlsystem dagegen als “Einfallstor für eine unkontrollierte Datenweitergabe”. “Es ist mittlerweile sehr einfach, unter anderem über die Auskunftei Schufa auch die fehlenden Daten wie Name und Anschrift der Kunden heraus zu bekommen”, erklärte Thilo Weichert.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert zudem, dass viele Handelsketten nicht auf ein alternatives Bezahlsystem mit EC-Karten ausweichen, bei dem die Kunden ihre Pin-Nummern eintippen müssen. Dieses System sei für Verbraucher deutlich sicherer. Weil das Pin-Verfahren aber für die Händler teurer sei, würden viele Unternehmen darauf verzichten, so der Verbraucherverband. “Es ist aber nicht ersichtlich, warum Kunden sensible Daten preisgeben sollen, damit die Supermärkte Geld sparen.”

Zitate frei bei Nennung NDR Info. Rückfragen beantworten Jürgen Webermann (040/4156-2284).

6. Mai 2010

Pressekontakt:
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2 Kommentare

  • Comment by J. Bünting Beteiligungs AG
    Mai 7th, 2010 at 15:12

    famila Nordwest weist Vorwurf der Weitergabe von Kundendaten von sich

    Nach Informationen von NDR Info hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen die Handelskette famila Klage beim Landgericht in Kiel eingereicht. famila wird vorgeworfen, von den Kunden an der Kasse zweifelhafte Einwilligungen zur Weitergabe von Kontodaten einzufordern.

    Unter dem Markennamen famila existieren zwei Handelsunternehmen: Nicht von diesem Vorwurf betroffen ist die famila Verbrauchermarkt Einkaufsstätte GmbH & Co. KG mit Sitz in Leer/Ostfriesland. Aus Leer werden 20 famila-Märkte im Nordwesten Deutschlands betrieben.

    Die famila Verbrauchermarkt Einkaufsstätte GmbH & Co. KG setzt in ihren Märkten bei Zahlung mit EC-Karte auf das PIN-System. Das Unternehmen bestätigt weiterhin, dass über den Bezahlvorgang hinaus keine Kundendaten weitergegeben werden.

    Pressekontakt:
    J. Bünting Beteiligungs AG
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    E-Mail: maike.kromminga@buenting.de

  • Comment by famila-Handelsmarkt Kiel
    Mai 8th, 2010 at 13:45

    famila hat EC-Kartenzahlung auf PIN-Verfahren umgestellt

    Aufgrund der aktuellen Berichterstattung zum Thema Datenschutz bei elektronischen Lastschriftverfahren mit EC-Karten hat famila seit heute 10:30 Uhr die Kartenzahlung auf das PIN-Verfahren umgestellt.

    famila bietet seinen Kunden verschiedene Zahlungsmöglichkeiten an. Neben Barzahlung ist – wie im Handel allgemein üblich – auch die EC-Kartenzahlung sowie die Zahlung mit den verschiedenen Kreditkarten möglich. Bei der EC-Kartenzahlung hat famila bisher das elektronische Lastschriftverfahren eingesetzt. Der Kunde unterschreibt hier einen Kassenbeleg und erteilt famila damit die Erlaubnis, den fälligen Betrag von seinem Konto abzubuchen. Die Kontodaten werden dabei an den externen Netzbetreiber Telecash übermittelt, der für famila den Zahlungsverkehr komplett abwickelt. Bei famila im Hause werden an keiner Stelle Daten der Kunden gespeichert oder genutzt. Es handelt sich hierbei um ein Verfahren, das bei vielen großen Handelsunternehmen bundesweit eingesetzt wird und allgemein üblich ist.

    Verbraucherschützer sehen in der Abwicklung jedoch in Teilen einen scheinbaren Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. “Unser Dienstleister Telecash hat das Verfahren geprüft und ist sich sicher, dass hier nicht gegen geltendes Recht verstoßen wird” erläutert famila Geschäftsführer Christian Lahrtz. “Da wir unsere Kundinnen und Kunden aber auf keinen Fall verunsichern wollen, haben wir heute bereits auf das so genannte PIN-Verfahren mit Eingabe der Geheimzahl umgestellt.”

    Pressekontakt:
    Bärbel Hammer
    famila-Handelsmarkt Kiel
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