Jan
18


Die Mehrheit der Spekulanten
Die einen kaufen aus purer Lust an der Spekulation und hoffen auf überproportionale Kursprofite. Dies sind neben den Risikofreudigen, sowohl privaten als auch institutionellen Anlegern, vor allem der Berufshandel. Börsenmakler und Händler von Banken, auch der Kulisse bekannt, handeln auf eigene Rechnung oder für die Banken. Aufgrund verschiedener Informationsvorteile, die diese Profis gegenüber privaten Anlegern genießen, tun sie dies oftmals mit Erfolg. Diese Gruppe – der Spekulanten – dürfte wohl zahlenmäßig die größte und auch gleichzeitig diejenige mit den Schillernsten Anlegerpersönlichkeiten sein.

Im folgenden sollen einige Grundtypen von Persönlichkeiten aufgezeigt werden.

Die Zocker:
Sie haben meist keine Ahnung was sie kaufen, sie wissen nur von anderen, das man die Papiere haben muss. Das Betätigungsfeld der Firma, deren Aktien oder Optionsscheine sie kaufen oder verkaufen, interessiert sie nicht. Sie bekommen “heiße Tipps” nach dem Motto: “Augen zu und rein”, “Geht demnächst rasend ab”, “Noch heute kaufen ! Man darf keine Zeit verlieren”. Im Ergebnis sieht es dann meist folgendermaßen aus. Nach drei, vier oder auch mehr solcher Supergeschäfte kann der Zocker 75 % Verlustpositionen (Schieflagen) und 25% Gewinnpositionen (Treffer) im Depot haben. Die richtig aggressiven Zocker verkaufen ihre Bestände relativ schnell wieder, meist innerhalb von 2-3 Wochen, manchmal auch schon innerhalb einer Woche, und leben von Hoffnung, beim nächsten mal einen Volltreffer zu haben. Am schlechtesten ergeht es den “Möchtegern-Zockern”: Sie können sich Spekulieren gar nicht leisten. Sie finanzieren meist die Hälfte oder mehr mit Kredit oder versuchen sich in Vor-Valutageschäften, bei denen natürlich noch markeloser investiert wird. Bei kleinen Schieflagen kann dies schon ein Totalverlust des vorhanden Vermögens bedeuten.

Der aggressive Anleger:
Im Gegensatz zum Zocker weiß der aggressive Anleger in den meisten Fällen, was er kauft und auch warum. Allerdings kauft er oft erst dann, wenn es schon zu spät ist. Zumindest nehmen Risikobewusste Anleger und fundamental bzw. rational orientierte Anleger schon erste Gewinne mit. Der aggressive Anleger spekuliert hingegen auch auf die so genannten letzten 10 Prozent – es kann auch etwas mehr sein. Dieses ist in Bankreisen als “Halskrankheit” bekannte Phänomen weit verbreitet und ansteckend. Die Inkubationszeit ist kurz. Der aggressive Anleger steigt, wenn es nicht läuft, meist nach 1 -2 Wochen wieder aus dem Papier aus, reizt das Investment bei weiteren Kursteigerungen aber aus und verpasst deshalb meistens den günstigsten Verkaufszeitpunkt. Der aggressive Anleger schichtet – zur Freude der Bank – sein Depot sehr häufig um und hat per Saldo auch nicht mehr als ein Anleger in Rentenpapiere am Jahresende. Solch eine Strategie kann nur funktionieren, wenn man entweder selbst sehr gut informiert ist oder sehr kompetente Berater hat. Ferner muss die Abwicklung der Geschäfte schnell und kostengünstig sein, denn der Auftrag erfolgt, anders als beim Zocker, meist limitiert.

Der Fundamentalist:
Diese Anlegergruppe richtet sich bei Ihren Entscheidungen ausschließlich nach fundamentalen Gesichtspunkten, also nach Gewinn, Wachstum und Branchenaussicht. Hierbei muss der Anleger aber meist lange warten, bis sein Investment aufgeht. Der Gewinn bleibt aufgrund des ewigen Durchhaltens nur mittelmäßig. Diese Anleger sind wegen des seltenen Umschichtens und des ausgeprägten Beratungsbedarf bei Banken gar nicht gern gesehen. Eine Anlegergruppe die wenigstens eine Linie in ihrer Anlagepolitik hat. Sie ist meist gut informiert, ihr zeitlicher Aufwand und die Informationsbeschaffung steht allerdings in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Investieren in einem Optionsschein -Fonds wird per Saldo wahrscheinlich mehr an Performance einbringen.

Der konservative, rationale Spekulant:
Dieser Anlegertyp ist meist antizyklisch tätig. Er läuft nicht jeder Empfehlung hinterher, sondern nutzt die dann oft höchsten Kurse zum Verkauf. Er weiß über Bewertungszusammenhänge Bescheid und kauft stets nur Papiere, die ein effizientes Chance-/Risiko-Verhältnis haben. Verdient als risikofreudiger Anleger lieber bei steigenden Kursen als mit fallenden Kursen. Der Gewinn bleibt oft nur mittelmäßig, weil viele rationale Spekulanten oft zu früh verkaufen bzw. zu früh wieder einsteigen. Der konservative Anleger nimmt zu selten Verluste mit, sondern agiert noch zu oft nach dem Motto ” Gewinne mitnehmen – Verluste laufen lassen “.

Kleiner Tipp:
Sollten Sie sich bei objektiver und selbstkritischer Vorgehensweise in einem – etwas gen dargestellten – vorstehenden Anlegertypen von Spekulanten ganz oder teilweise wieder erkennen, dann nutzen Sie die Erfahrungen auf den Seiten im Menschen. Der beste Spekulant ist eine Mischung aus allen ! Der “richtige” Spekulant darf ruhig einmal aggressiv sein, sollte sich aber auch im Zaum halten können und ein guter Mix aus Zocker, Fundamentalist und konservativem Anleger sein.

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